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Olympia-Bilanz
Chinas Dominanz ist zu groß
Ein Fest für den Tischtennissport hatten sich Fans, Aktive und Offizielle von den Olympischen Spielen versprochen, und das wurde es: Perfekte Bedingungen, großartige Stimmung, spektakuläre Spiele und ungeahnte mediale Aufmerksamkeit sorgten für eine äußerst positive Bilanz des olympischen Tischtennis-Turniers. An den Endspieltagen der Mannschaftskämpfe und der Einzelturniere waren die fast 400 Presseplätze im Peking University Gymnasium gerammelt voll. Tickets für die Zuschauer gab es schon Monate vor Turnierbeginn nicht mehr: Tischtennis war als erste olympische Sportart ausverkauft.
Adham Sharara, Präsident des Tischtennis-Weltverbandes ITTF, nannte „die Fernsehzahlen in China eine Sensation für unseren Sport“. Der Kanadier berichtete, nach den Einschaltquoten der ersten Woche sei Tischtennis in China an vier von sieben Tagen die Nummer eins gewesen. „Das ist toll für unseren Sport und eine große Chance für die Zukunft", betonte er. Trotzdem war er nicht mit allem glücklich, was in Peking passierte. „Die Ergebnisse tun mir als Weltpräsident weh", bekannte Sharara. „Dass die Team-Events von China dominiert würden, war ja absehbar, dass aber auch alle Medaillen im Einzel an China gehen, ist nicht gut für unseren Sport."
Tatsächlich hätte die Dominanz nicht erdrückender sein können. Neben den beiden Titeln mit der Herren- und der Damen-Mannschaft gewannen die Gastgeber auch alle drei Medaillen im Herren-Einzel sowie Damen-Einzel. Dabei verloren Chinas Athleten auf dem Weg zum totalen Triumph gegen den Rest der Welt keine einzige Partie: Sämtliche Spiele in den Mannschaftskämpfen gewannen die beiden chinesischen Teams mit 3:0.
Der Tischtennis-Medaillenspiegel belegt zudem die Überlegenheit der asiatischen Asse. Elf der zwölf Medaillen wurden von asiatischen Verbänden gewonnen: Neben den überragenden Gastgebern, die sich gleich acht Medaillen sicherten, bestätigten die Teams aus Südkorea mit dem Gewinn von Bronze bei den Damen und Herren ihre Zugehörigkeit zur Weltspitze, ebenso wie die Damen-Mannschaft aus Singapur, die – allerdings mit drei eingekauften und eingebürgerten Chinesinnen – Silber gewann.
Die deutschen Männer sorgten für den einzigen europäischen Lichtblick. Mit dem Gewinn der Silbermedaille gelang andro-Star Christian Süß, Dimitrij Ovtcharov und Timo Boll der größte Erfolg für den Deutschen Tischtennis-Bund seit zwölf Jahren. 1996 in Atlanta hatte Jörg Roßkopf zuletzt eine Olympia-Medaille für den DTTB gewonnen: Bronze im Einzel.
Das bei Olympischen Spielen erstmals ausgetragene Mannschaftsturnier erwies sich in Peking als voller Erfolg. Sharara nannte dieses Event den „emotionalen Höhepunkt" des olympischen Tischtennis-Turniers und plädierte dafür, diesen Wettbewerb auch künftig beizubehalten. Ein wesentlicher Pluspunkt dieses Wettbewerbs ist die Tatsache, dass es hier garantiert zum Kampf verschiedener Nationen kommt, während die rein chinesischen Endspiele im Einzel naturgemäß geringere emotionale Beteiligung erzeugen. Um den Wettbewerb spannender zu gestalten, erwägt der ITTF-Präsident indes Änderungen.
„Ich will schon sehr bald zunächst ITTF-intern und dann mit dem IOC Änderungswünsche von meiner Seite diskutieren“, kündigte Sharara an.
Was ihm vorschwebt? „Ein Wettbewerb mit maximal zwei Spielern eines Landes. Damit verhindert man schon mal, dass ein Land, wie hier China, alle Medaillen abräumt. Dann will ich den Mannschafts-Wettbewerb, weil der emotional der Höhepunkt ist und hier auch war. Und ich will wieder einen Doppel-Wettbewerb mit 16 Paaren und nur einem Doppel pro Nation.“
Ob sich Shararas Wünsche alle erfüllen werden, bleibt freilich abzuwarten. Die Konkurrenz ist gewaltig; Vertreter zahlloser Verbände drängen auf größtmögliche olympische Präsenz ihrer Sportart. Der Kanadier ist aber optimistisch: „Wir werden das diskutieren und dann weitersehen. Grundsätzlich hat der Tischtennissport große Zukunftschancen. Wir müssen sie nur nutzen.“
