Interview mit Wu Jiaduo
„So schlecht war ich gar nicht“

andro-Star Wu Jiaduo startete bei den Olympischen Spiele in Ihrem Heimatland China. Damit verwirklichte Dudu zwar ihren großen Traum, doch ihr sportliches Abschneiden war für sie eine Enttäuschung: Mit dem deutschen Damen-Team schied sie nach drei Niederlagen in den Gruppenspielen aus, und im Einzel unterlag sie in ihrer ersten Partie der Österreicherin Li Qianbing in der Runde der besten 32.
Das andro-Team fragte nach, wie Wu Jiaduo die Tage in Peking und danach erlebt und verarbeitet hat.

andro: Die Olympischen Spiele sind für dich ja nicht gerade glücklich gelaufen. Mit etwas Abstand: Wie hast du das schlechte Abschneiden denn verkraftet?
Wu Jiaduo: Meine Eltern haben mich ganz lieb getröstet. Ich war nach den Spielen noch ein paar Tage bei Ihnen zu Besuch, und sie haben mir schon neue Motivation gegeben.

 

andro: Wie denn?
Wu Jiaduo: Sie haben gesagt: „Kein Problem. Fangen wir wieder neu an.“ Ich bin ja das einzige Kind meiner Eltern, und daher werde ich meist ziemlich verwöhnt, wenn ich heimkomme. Ich habe auch sehr gut gegessen: Fisch, Garnelen und viel grünes Gemüse.


andro: Wie bewertest du im Rückblick deine Leistung in Peking?
Wu Jiaduo: Ich kann akzeptieren, dass wir schlecht gespielt haben. Aber meine Einzelergebnisse waren eigentlich gar nicht so schlecht. In der Mannschaft habe ich nur zwei Spiele gemacht. Gegen Rumänien habe ich gegen Dodean verloren, und da habe ich, zugegeben, nicht besonders gut gespielt. Gegen Polen habe ich mein Einzel gewonnen. Und gegen Hongkong bin ich zum Einzel nicht mehr drangekommen. Im Einzel-Wettbewerb habe ich gegen Li Qianbing im siebten Satz mit 9:5 geführt und verloren. Insgesamt habe ich also nur drei Einzel bestritten: eins gewonnen, zwei verloren. Deshalb bin ich auch nicht so furchtbar traurig gewesen. Natürlich war ich schon traurig, wegen der Mannschaft. Aber ich kann das akzeptieren.

andro: Wie fandest du denn die Atmosphäre in der Halle?
Wu Jiaduo: Sehr gut. Es waren ja so viele Zuschauer da! Ich wollte für meine Eltern auch noch Tickets besorgen, aber ich habe leider keine mehr bekommen. Es war schon alles ausverkauft.

 

andro: Heißt das, dass deine Eltern gar nichts von den Tischtennis-Wettbewerben gesehen haben?
Wu Jiaduo: Doch, bei den Mannschaftskämpfen haben sie mich unterstützt. Aber im Einzel-Wettbewerb haben sie mich nicht mehr spielen gesehen.

 

andro: Naja, du hast ja auch nur ein Einzel absolviert. Da war es vielleicht gar nicht so schlimm, dass sie nicht zuschauen konnten?
Wu Jiaduo: Nein, so schade fand ich das dann auch gar nicht.

 

andro: Hast du von den Olympischen Spielen denn noch etwas anderes außer den Tischtennis-Wettbewerben sehen können?
Wu Jiaduo: Ja, ich habe ein Volleyballspiel gesehen: Chinas Damen gegen Japan. China hat gewonnen. Ich wollte auch gern zur Leichtathletik, aber ich habe keine Karten bekommen. Die Tickets waren auch ziemlich teuer: 150,- Euro.

 

andro: Und hast du im olympischen Dorf andere Sportler kennengelernt?
Wu Jiaduo: Dirk Nowitzki war bei uns zu Besuch, und ich habe ein Foto mit ihm und mir gemacht. Das sieht ziemlich komisch aus: Er ist wirklich groß. Ich glaube, ich gehe ihm nur bis zum Oberschenkel.

 

andro: Jetzt übertreibst du aber…
Wu Jiaduo: Nein wirklich! Ich bin doch nur 1,65 m, und er ist einen halben Meter größer als ich.

 

andro: Hast du noch mehr Bekanntschaften geschlossen?
Wu Jiaduo: Ich wollte auch gern mit dem amerikanische Basketballer ein Foto machen… Wie heißt der noch…?

 

andro: Kobe Bryant?
Wu Jiaduo: Genau! Mit Kobe Bryant und Roger Federer wollte ich auch Fotos machen, aber das wollten so viele. Da war immer zu viel los.

 

andro: Wie wird es jetzt für dich weitergehen?
Wu Jiaduo: Bald beginnt ja die Bundesligasaison, und ich muss mich jetzt intensiv damit beschäftigen, welches Material ich spielen werde. Bislang habe ich beide Seiten frischgeklebt, auch meinen Noppenbelag. Und durch Olympia hatte ich noch keine Zeit zu Testen. Aber zusammen mit dem andro-Team finde ich bestimmt eine gute Lösung.