Die Reformen zeigen Wirkung:
Die Bundesliga blüht auf.
Dreier-Teams an nur noch einem Tisch, ein neues Spielsystem und das Ende des Frischklebens: Die Tischtennis-Bundesliga erlebte zum Saisonbeginn die größten Veränderungen ihrer Geschichte. Und das erste Urteil innerhalb der Deutschen Tischtennis Liga (DTTL) fällt positiv aus: Die Fans haben das Spielsystem sehr gut angenommen, ob in der Halle oder vor dem Fernseher.
Jülichs Geschäftsführer Ralf Düren sagt: „Die Bedenken, dass man den Zuschauern die Hälfte der Spiele wegnimmt, haben sich nicht bestätigt. Man nimmt ihnen nur die Entscheidung ab: Jetzt sieht jeder alles.“ Bremens Teammanager Sascha Greber war selbst skeptisch, räumt aber ein: „Die Zuschauer sind durchaus angetan vom neuen Spielsystem.“
Auch andro-Star Christian Süß bestätigt diesen Trend. „Ich habe mit einigen Leuten gesprochen, die mir gesagt haben, dass es sehr viel angenehmer ist, die Spiele an nur einem Tisch zu verfolgen.“
Mit über 180.000 Fernsehzuschauern im DSF verbuchte die DTTL zudem am zweiten Spieltag die mit Abstand beste Quote seit Wiederaufnahme der Übertragungen im deutschen Free-TV. Benno Neumüller, Geschäftsführer der für die Übertragung verantwortlichen contenthouse GmbH, äußerte sich euphorisch: „Die Reichweite unserer TV-Übertragung ist eine Sensation und verleiht dem Gesamtprojekt DTTL weiter Rückenwind.“
Es scheint tatsächlich so, als ob die Liga auf dem richtigen Weg ist, doch für ein endgültiges Urteil ist es kurz nach Saisonbeginn noch zu früh.
Fest steht: Von den acht Begegnungen der ersten beiden Spieltage endeten nur zwei mit 3:0. Das kürzeste Match, die Partie zwischen Fulda und Frickenhausen, dauerte immerhin noch 94 Minuten – bei allerdings nur zehn gespielten Sätzen und einer rund 15-minütigen Pause. Ob dies zeitgemäß oder den Fans auf Dauer zu wenig ist, bleibt abzuwarten.
Einhellig ist jedoch zu hören, dass die Spannung steigt. „Es wird mehr Überraschungen geben“, prophezeit Wieland Speer, Ligasekretär der DTTL, und ergänzt: „Durch die taktischen Variationsmöglichkeiten können sehr interessante Konstellationen zustande kommen.“
Der Außenseitersieg des vermeintlichen Abstiegskandidaten Gönnern in Bremen und der Beinahe-Erfolg von Plüderhausen gegen Meister Düsseldorf belegen dies.
Im Gegensatz zu früher müssen die Akteure nicht mehr nach der Reihenfolge der Spielstärke aufgestellt werden, sondern können für die Positionen 1, 2 und 3 frei nominiert werden (Spielreihenfolge: A1 – B2, B1 – A2, A3 – B3, A1 – B1 – dann folgt das Doppel, für das beide Teams auch einen vierten Spieler nominieren dürfen, keinesfalls aber die eigene Nummer eins (also A2/A3 oder A2/A4 oder A3/A4).
Dazu kommt noch der Umstand, dass durch die Umsetzung des Frischklebeverbots ohnehin viel Bewegung in die Liga gekommen ist, weil so mancher Akteur noch auf der Suche nach der idealen Lösung zu sein scheint. Die Bundesliga hat gerade erst begonnen, doch sie präsentiert sich so interessant wie seit Jahren nicht.