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Olympia-Qualifikation
Allez Jean-Mi! Auf nach Peking!
Gleich fünf andro-Stars haben die olympische Einzel-Qualifikation geschafft, darunter auch Jean-Michel Saive.
Nach langem Kampf und schier endlosen Wochen und Monaten zwischen Hoffen und Bangen gab es doch noch ein Happy End: Jean-Michel Saive hat sich bei der Welt-Qualifikation für die Olympischen Spiele mit einer imponierenden Leistung seinen Startplatz gesichert. Der andro-Star hat damit auch ein Stück Tischtennis-Geschichte geschrieben, denn er ist einer von nur drei Athleten, die sich für alle sechs olympischen Turniere qualifiziert haben, seit Tischtennis 1988 in Seoul ins Olympia-Programm aufgenommen wurde. „Es ist ein großartiges Gefühl, das geschafft zu haben”, verkündete Jean-Mi strahlend, „und es macht viel mehr Spaß, das auf sportlichem Wege zu schaffen als vor Gericht.”
Vorausgegangen war ein Monate währender Streit und eine juristische Auseinandersetzung mit dem Weltverband ITTF, der Saive die Direkt-Qualifikation verweigert hatte, obwohl der Belgier in der hierfür relevanten Weltrangliste im Januar auf Platz 20 geführt worden war – allerdings gemeinsam mit dem Schweden Jörgen Persson, dem die ITTF den letzten Direktplatz zusprach. Jean-Mi Saive hingegen sollte durch die harte Mühle des Qualifikationsturniers.
Das europäische Qualifikationsturnier im April hatte der 38-Jährige verletzt abgesagt, beim Welt-Qualifikationsturnier in Budapest nutzte der andro-Star dann am zweiten Mai-Wochenende seine letzte Chance: Unter größtem Druck behauptete er sich gegen den Spanier Alfredo Carneros (4:1) sowie den Niederländer Trinko Keen (4:0) souverän. Gegen den späteren Sieger, Cheung Yuk aus Hongkong, unterlag Jean-Mi mit 2:4, doch zu diesem Zeitpunkt stand bereits fest, dass beide Spieler die Qualifikation geschafft hatten.
„Ich habe gut gespielt”, erklärte Jean-Mi zufrieden. „Ein bisschen Glück hatte ich allerdings auch: Carneros war in meiner ersten Runde ein recht dankbarer Gegner für mich.”
Nachdem er sein großes Ziel erreicht hat, will Jean-Michel Saive die juristische Auseinandersetzung mit der ITTF nicht fortführen. „Ich bin jetzt qualifiziert, und sie haben schon beschlossen, die Regeln für die Zukunft zu ändern. Also sehe ich keinen Sinn darin, noch zu prozessieren”, erklärte er.
Das andro-Team wird damit im Einzel-Turnier der Olympischen Spiele durch fünf Mitglieder vertreten werden. Nach der Direkt-Qualifikation der deutschen Nationalspielerinnen Wu Jiaduo und Elke Schall sicherten sich am ersten April-Wochenende in Nantes auch Christian Süß und die polnische Meisterin Xu Jie einen Platz im wichtigsten Wettbewerb der Tischtennis-Welt. Süß und Xu erreichten beim europäischen Qualifikationsturnier in Frankreich ihr Ziel jeweils am vorletzten Tag der Veranstaltung und ersparten sich so die befürchteten Zitterpartien am Schlusstag.
Christian Süß war nach seinem entscheidenden 4:1-Sieg im Finale des zweiten Qualifikationsdurchgangs gegen den Tschechen Petr Korbel nicht nur glücklich, sondern auch erleichtert: „Für mich geht ein Traum in Erfüllung”, sagte der 22-Jährige. „Ich wollte unbedingt auch im Einzel und nicht nur mit der Mannschaft in Peking dabeisein.”
Bis zum Augenblick der Erlösung hatte Christian ein Wechselbad der Gefühle durchlebt. Schon seine Qualifikation für die 32 Plätze, unter denen die elf Olympia-Tickets an den letzten drei Turniertagen ausgespielt wurden, war nicht planmäßig verlaufen. Nach einer unerwarteten 2:4-Auftaktniederlage gegen den Portugiesen Tiago Apolonia hatte Süß mit dem Rücken zur Wand gestanden, aber gegen den weißrussischen Abwehrspieler Evgueni Chtchetinine (4:2) und den estischen Außenseiter Aleksandr Smirnov Nervenstärke bewiesen.
Dem Happy End in der Vorrunde folgte tags darauf in der ersten K.o.-Runde eine weitere Ernüchterung. Gegen den Österreicher Robert Gardos verlor Christian trotz eines 2:0- und 3:1-Satzvorsprungs noch mit 3:4 – obwohl er im Entscheidungssatz sogar noch mit 9:6 geführt hatte.
Doch Süß bewies gerade in dieser kritischen Situation jene Nehmer-Qualitäten, die bei großen Turnieren entscheidend sind.
Zum Auftakt des nächsten K.o.-Durchgangs gegen den Slowaken Lubomir Pistej behielt der Düsseldorfer bei eigenem 1:2-Rückstand, nach dem 3:3-Ausgleich seines Gegners und auch bei 2:5 im letzten Satz die Nerven, nahm ein Time-out und entschied die Partie für sich.
Danach spielte er wie beflügelt und bezwang den für Polen startenden Chinesen Wang Zeng Yi sowie seinen Vereinskollegen Petr Korbel und erfüllte sich so seinen Traum vom Olympia-Start.
„Gegen Apolonia und Gardos hatte ich gute Chancen zum Sieg”, analysierte Christian später. „Die Niederlagen waren deswegen sicherlich vermeidbar, auch wenn ich besonders gegen Gardos gerade in knappen Situation gleich mehrfach Netz- und Kantenbälle zu verkraften hatte. In der zweiten K.o.-Runde habe ich aber sehr gut gespielt, in engen Situationen klaren Kopf behalten und auch meine Taktik umstellen können."
Nun blickt er nur noch voraus: „Peking wird sicher einer der absoluten Höhepunkte meiner Karriere sein. Ich bin sehr froh, dass ich dabei bin, nachdem es zwischenzeitlich ja manchmal nicht immer gut für meine Olympia-Teilnahme ausgesehen hatte."
Wie Süß musste auch Xu Jie in Nantes nachsitzen. Zwar blieb die gebürtige Chinesin in der Vorrunde ungeschlagen, musste aber in der ersten K.o.-Runde nach einem 4:1 gegen Gavna Gaponova (Ukraine) im zweiten Spiel gegen die Niederländerin Li Jie mit 1:4 einen herben Dämpfer hinnehmen.
Ihre zweite Chance nutzte die andro-Spielerin allerdings: Nach Erfolgen über die Ungarin Georgina Pota (4:1) und die Dänin Mie Skov (4:3) machte Xu Jie im Final-Duell mit ihrer Vorrrunden-Kontrahentin Fili durch ein 4:1 ihre Premiere bei Olympia perfekt.
„Die Sommerspiele waren seit Jahren mein großes Ziel, und ich freue mich, dass ich es tatsächlich erreicht habe", sagte Xu sichtlich bewegt.
So glücklich verlief der Kampf um die Olympia-Qualifikation nicht für alle andro-Spieler. Slobodan Grujic zählte diesmal zu den Pechvögeln. Der Serbe war in Nantes schon nach der Vorrunde durch Niederlagen gegen Lokalmatador Christophe Legout und Englands Talent Paul Drinkhall nur noch Zuschauer. Und bei der Welt-Qualifikation in Budapest bekam er ein denkbar unglückliches Los: Gegen den für die Ukraine startenden gebürtigen Chinesen Kou Lei verlor Grujic mit 1:4 deutlich und verpasste so den Sprung nach Peking.
