WM-Vorschau: Die deutschen Teams fahren mit breiter Brust nach China

Wir sind wieder wer, auch ohne Timo Boll. Mit dieser Haltung fahren die deutschen Männer zur Mannschafts-WM, die am 24. Januar im südchinesischen Guangzhou beginnt. Der Schock über den Ausfall des Spitzenspielers – Boll laboriert nach wie vor an einer hartnäckigen Entzündung der Patellasehne im Knie – währte nur kurz. Dann krempelten die deutschen Herren die Ärmel hoch, und Christian Süß verkündete: „Jetzt ist jeder in der Mannschaft gefordert. Wir sind auch ohne Timo stark genug, dass jeder in jedem Spiel einen Punkt beisteuern kann – und dann haben wir auch drei Punkte.”
andro-Star Süß, der mit seinem charismatischen Auftreten bei der letzten Mannschafts-WM in Bremen so etwas wie der Leitwolf der jungen deutschen Mannschaft wurde, gibt sich optimistisch: „Ich glaube, dass wir durchaus Möglichkeiten haben, auch ohne Timo ins Viertelfinale zu kommen.” Herren-Bundestrainer Richard Prause sieht das ähnlich. „Wir haben nach wie vor eine sehr spielstarke Mannschaft und müssen uns nicht verstecken. Mit dieser breiten Brust sollten wir auch nach China fahren.”
Die DTTB-Auswahl gewann bei den Mannschafts-Weltmeisterschaften 2004 in Qatar Silber und 2006 in Bremen Bronze. Bei beiden Turnieren verlor die deutschen Männer nur gegen Weltmeister China und gewannen alle übrigen Partien, und ihren Aufstieg in die Weltspitze bestätigten sie 2007 in Belgrad mit dem erstmaligen Gewinn des Mannschafts-Europameistertitels. Das verdeutlicht die Klasse dieses Teams.
Christian Süß, Dimitrij Ovtcharov, Bastian Steger, Patrick Baum und der als Ersatzmann für Timo Boll nachnominierte Jörg Roßkopf haben tatsächlich Chancen, unter die ersten drei Teams der Gruppe C zu kommen, in der Japan und Russland als die stärksten Kontrahenten gelten. Gegen die übrigen Gruppengegner Frankreich, Serbien und die Slowakische Republik sind die Deutschen auch ohne Boll zumindest leicht favorisiert. Ein Platz unter den ersten drei ist allerdings Pflicht, um weiter nach oben schauen zu dürfen: Die Sieger der vier Sechser-Gruppen bekommen einen Platz im Viertelfinale, die Gruppenzweiten spielen jeweils gegen einen Gruppendritten um die vier verbleibenden Viertelfinalplätze. „Am liebsten würde ich natürlich als Gruppenerster ins Viertelfinale kommen”, sagt Christian Süß. Er weiß aber auch: „Das ist nicht ganz so einfach, zumal wir gegen Russland beginnen. Das wird sicher schon ein wegweisendes Spiel.”
Die deutschen Frauen starten in Guangzhou mit ähnlichen Erwartungen wie die DTTB-Männer. „Unser Ziel ist Platz eins bis drei in der Gruppe”, sagt Damen-Bundestrainer Jörg Bitzigeio, „und die Chancen, das zu erreichen, stehen gut.” Bitzigeio sagt aber auch: „Es gibt wenige Teams, von denen wir sagen können: Gegen die gewinnen wir sicher.
Den Kern der deutschen Mannschaft bilden zwei andro-Spielerinnen: Wu Jiaduo und Elke Wosik dürften zur Stammbesetzung zählen. An der dritten Position hingegen kann Bitzigeio unter taktischen Aspekten zwischen Konterspielerin Zhenqi Barthel und Amelie Solja wählen, die mit langen Noppen auf der Rückhand und kurzen Noppen außen auf der Vorhand ein unorthodoxes Angriffsspiel pflegt.

Mit der 21-jährigen Barthel und der erst 17-jährigen WM-Debütantin Solja und ohne die formschwache Nicole Struse hat die DTTB-Auswahl ein neues Gesicht bekommen. „Für mich ist das ziemlich ungewohnt”, bekennt Elke Wosik. „Bis jetzt habe ich noch nie eine WM oder EM gespielt, ohne Nicole an meiner Seite zu haben. Aber die Stimmung in unserem Team ist super. Wir können uns gegenseitig pushen.”
Auch mit der Auslosung ist Wosik zufrieden. „Unsere Gruppe ist okay, da ist alles machbar”, sagt die 34-Jährige. Hongkong gilt zwar als klarer Favorit, und gegen Österreichs Team haben die deutschen Damen die letzten zwei Partien verloren, doch unschlagbar ist in dieser Gruppe niemand. Und gegen Weißrussland, Spanien und Thailand gelten die Deutschen als favorisiert.
Vieles dürfte davon abhängen, ob die in den letzten Monaten überragende Wu Jiaduo ihren Aufstieg in die Weltspitze auch in ihrem Geburtsland China bestätigen kann. Besonderen Druck, weil die WM in ihrem Heimatland stattfindet, verspürt Dudu aber nicht. „Ich konzentriere mich auf die Taktik, auf die Gegnerinnen und auf unsere Mannschaft”, sagt die 30-Jährige. Zumindest zwei chinesische Fans werden sie sicher unterstützen: „Meine Eltern werden dabei sein.” In China fühlt sie sich ansonsten nicht unter besonderer Beobachtung – zumindest noch nicht. „Ich bin in China weniger bekannt als in Deutschland”, sagt Wu Jiaduo. Dann fügt sie mit einem Lächeln hinzu: „Aber wenn ich in Guangzhou gut spiele, werde ich dort auch bekannt.”

andro bietet in Kooperation mit schöler&micke während der WM einen täglichen Live-Ticker direkt aus China, damit sie Online die Partien aktuell verfolgen können: www.schoeler-micke.de

 

WM-Auslosung


Herren, 1. Division
Gruppe A Gruppe B Gruppe C Gruppe D

1. China
2. Österreich
3. Kroatien
4. Belgien
5. Rumänien
6. Italien

1. Südkorea
2. Taiwan
3. Schweden
4. Polen
5. Tschechien
6. Ungarn
1. Deutschland
2. Japan
3. Frankreich
4. Russland
5. Serbien
6. Slowakische Republik
1. Singapur
2. Hongkong
3. Griechenland
4. Dänemark
5. Weißrussland
6. Spanien
 

Damen, 1. Division
Gruppe A Gruppe B Gruppe C Gruppe D
1. China
2. USA
3. Kroatien
4. Russland
5. Nordkorea
6. Schweden
1. Singapur
2. Ungarn
3. Rumänien
4. Polen
5. Taiwan
6. Ukraine
1. Hongkong
2. Deutschland
3. Österreich
4. Weißrussland
5. Spanien
6. Thailand
1. Japan
2. Südkorea
3. Niederlande
4. Italien
5. Tschechien
6. Frankreich