Europe Top 12:
andro-Stars im Blickpunkt/ Dritte Plätze für Dauerbrenner Jean-Mi und Aufsteigerin Dudu

Mit Jean-Michel Saive, Wu Jiaduo und Elke Wosik waren drei Starter aus dem andro-Team beim Europe Top 12 in Frankfurt vertreten, und gleich zwei dieser drei erreichten das Halbfinale. Dauerbrenner Jean-Mi begeisterte die 9000 Zuschauer in der Frankfurter Ballsporthalle mit seinem athletischen Spiel und seinem Siegeswillen einmal mehr. Taktisch klug agierend und unermüdlich ackernd, behauptete er sich in der Gruppe gegen den cleveren Spanier He Zhiwen, so dass er trotz einer anschließenden Niederlage gegen Dimitrij Ovtcharov als Gruppenzweiter ins Viertelfinale einzog.
Hier beherrschte der Belgier den Kroaten Zoran Primorac souverän. Das Publikum stand dabei klar hinter dem charismatischen Kämpfer Jean-Mi, für den erst im Halbfinale gegen den späteren Sieger Werner Schlager die Endstation kam.
Seinen dritten Platz kommentierte er verschmitzt grinsend mit drei Worten: „Nicht schlecht, oder?” Der andro-Star hält zudem einen Rekord, der für die Ewigkeit Bestand haben dürfte: Zum 19. Mal in Folge nahm Jean-Mi am Europe Top 12 teil, weit öfter als jeder andere Spieler in der Geschichte des traditionsreichen europäischen Ranglistenturniers. „Bei meinem ersten Start 1990 in Hannover wurde zum ersten Mal in Gruppen gespielt”, erinnert er sich. „Nach dem alten System jeder gegen jeden habe ich nie gespielt.”

Würde das Top 12 heute noch so ausgetragen, wäre Wu Jiaduo womöglich noch weiter vorn gelandet als nur auf Platz 3. Deutschlands Nummer eins bot eine überragende Leistung, zog durch Siege gegen Viktoria Pavlovitch (Weißrussland), Daniela Dodean (Rumänien) und Tamara Boros (Kroatien) als einzige Spielerin ohne jeglichen Satzverlust ins Halbfinale ein und lieferte hier auch der Titelverteidigerin und späteren Turniersiegerin Li Jiao (Niederlande) harten Widerstand. „Ich hatte durchaus Chancen, zu gewinnen”, bilanzierte Dudu. Im dritten Satz bei 10:9- und im fünften Durchgang bei 8:5-Führung ließ Wu Jiaduo gute Gelegenheiten aus – am Ende hieß es 1:4.
andro-Star Wu Jiaduo darf dennoch zufrieden sein. In Frankfurt bewies sie ihre imponierende Entwicklung: athletisch klar verbessert, deutlich schneller auf den Beinen, mit größerer Durchschlagskraft und mental viel stärker als noch vor einem Jahr. Dudu ist die Aufsteigerin des Jahres, und in dieser Verfassung hat die 30-Jährige gute Chancen, in absehbarer Zeit auf europäischer Ebene nicht nur Medaillen, sondern sogar Titel zu gewinnen.

Die zweite deutsche Starterin beim Top 12, Elke Wosik, schied dagegen ein bisschen unglücklich in der Vorrunde aus. Mit der Österreicherin Liu Jia und der Luxemburgerin Ni Xia Lian hatte die andro-Spielerin die wohl schwerste Gruppe erwischt. Nach einem 1:4 gegen Liu Jia hätte Elke gegen die dreimalige Top-12-Gewinnerin Ni Xia Lian mit 4:1 gewinnen müssen, um noch das Viertelfinale zu erreichen. Sie ging auch mit 2:1 in Führung, doch nachdem die Luxemburgerin zum 2:2 ausgeglichen hatte, war die Luft raus, und Elke Wosik konnte sich über ihren 4:2-Sieg am Ende nicht so recht freuen. Als einzige aller zwölf Starterinnen schied sie mit einem Sieg und einer Niederlage nach den Gruppenspielen aus.

Slovenian Open:
Ein Paukenschlag durch Alexei Liventsov

Das erste Pro Tour-Turnier des Jahres 2008 gewann der an Nummer eins gesetzte Vladimir Samsonov, doch für die größte Überraschung bei den Slovenian Open sorgte ein andro-Spieler: Alexei Liventsov aus Russland kämpfte sich durch die Qualifikation ins Hauptfeld, bezwang dort den Dänen Finn Tugwell mit 4:3 und zog anschließend in spektakulärer Manier durch ein 4:1 gegen Chen Weixing ins Achtelfinale ein. „Bis dahin hatte ich gegen Verteidiger auf diesem Niveau praktisch nur verloren: zweimal gegen Gionis, zweimal gegen Shetinin und einmal gegen Joo Se Hyuk. Von daher war ich selbst überrascht”, bekannte der 26-Jährige. Seine Taktik gegen Chen Weixing: „Ich habe versucht, direkt mit den ersten zwei, drei Bällen durch schnelle Topspins zu punkten. Das hat geklappt.” Das klingt simpel, doch wie Liventsov, der mit Blax-Holz, C.O.R.2 Supersponge auf der Vorhand und C.O.R. 2 auf der Rückhand spielt, dies umsetzte, war schon imponierend. 
Der Abwehrspieler aus Österreich, Nummer 34 der Welt, bekam gleich zweimal schmerzlich zu spüren, wie gut Liventsov in Form war. Im Doppel schaltete der junge Russe nämlich mit seinem Partner Igor Rubtsov nach einem Erfolg über die Kroaten Primorac/Gacina die Österreicher Chen Weixing und Robert Gardos ebenfalls mit 4:1 aus. Die Außenseiter behaupteten sich auch noch im Viertelfinale gegen die Schweden Gerell/Lundquist mit 4:3 und wurden erst im Halbfinale von ihren Landsleuten Mazunov/Smirnov gestoppt – und auch das nur denkbar knapp: Aus einem 0:3-Rückstand machten Liventsov/Rubtsov ein 3:3, mussten aber schließlich doch die Cleverness der EM-Zweiten von Courmayeur anerkennen. „Schade, im Entscheidungssatz hatten wir einen schlechten Start und lagen gleich 1:5 hinten, haben dann auf 5:5 ausgeglichen, aber es hat trotzdem nicht ganz gereicht”, berichtete Liventsov. Am Ende war er völlig platt: „Ich habe in Slowenien so viele Spiele bestritten wie noch nie zuvor auf der Pro Tour, vier Einzel und fünf Doppel.”
Die Anstrengungen haben sich gelohnt. Für Alexei Liventsov, der als Nummer 188 der Weltrangliste nach Slowenien gereist war, brachte dieses Turnier den größten Erfolg seiner noch jungen Karriere. In der Februar-Weltrangliste wurde er mit einem deutlichen Aufstieg für seine Siege gegen Tugwell und Chen Weixing belohnt und verbesserte sich um 46 Plätze auf Rang 142. Ein gewaltiger Sprung, aber zweifellos verdient: Der Däne wurde immerhin 115 Plätze, der Österreicher sogar 154 Plätze über Liventsov notiert!
Auch Jean-Michel Saive spielte sich in Slowenien in den Blickpunkt. Die international erfahrenen Lars Hielscher und Allan Bentsen (Dänemark) bezwang der Belgier jeweils mit 4:2, gegen den aufstrebenden jungen Schweden Pär Gerell, der in der Bundesliga für die TTF Ochsenhausen startet, wurde es für den Kämpfer Jean-Mi beim 4:3 (12:10 im siebten Satz) schon eng. Letztlich stoppte erst der an zwei gesetzte Hongkong-Chinese Li Ching den andro-Star Saive. In der Viertelfinalpartie hatte Jean-Mi sogar noch mit 2:1 nach Sätzen geführt, unterlag dann aber dreimal denkbar knapp mit jeweils zwei Bällen Differenz (9:11, 10:12, 9:11) und musste sich schließlich mit 2:4 geschlagen geben.
Mit seinem Abschneiden bei den Slovenian Open kann Jean-Michel Saive also durchaus zufrieden sein. Auch er verbesserte sich in der Weltrangliste und kletterte von Position 28 auf 20. Viel wichtiger ist für ihn jedoch der Kampf um seinen sechsten Olympia-Start, den er nach der Entscheidung des Weltverbandes ITTF in Sachen Direkt-Qualifikation auch auf juristischem Wege aufnehmen will...