Frischklebe-Serie, Teil 10:
Kontrollen des neuen Frischklebe-Verbot DTTB-Präsident Weikert: Sperren wären wirksamste Sanktion

Das paradox erscheinende ITTF-Verbot des Frischklebens hat die nationalen Verbände nach der Entscheidung bei der Einzel-WM in Zagreb auch in der Sommerpause in Atem gehalten. Eine Anpassung des Regelwerkes bereits zu Beginn der neuen Saison war vielen Verbänden aufgrund der wochenlang ausgebliebenen Detailinformationen über den brisanten Beschluss, laut dem das Ende Mai mit sofortiger Wirkung beschlossene Verbot flüchtiger organischer Lösungsmittel bei Erwachsenen erst ab dem 1. September 2008 und bei Jugendlichen ab Beginn des kommenden Jahres kontrolliert wird, dennoch nicht möglich. Der Umgang mit der veränderten Situation fällt international recht unterschiedlich aus. Viele Verbände gehen im Gleichschritt mit der ITTF vor, manche beschreiten jedoch Sonderwege. In der Schweiz zum Beispiel finden bereits Kontrollen sowohl bei Erwachsenen als auch bei Jugendlichen statt. Verstöße gegen das Verbot werden mit 200 Schweizer Franken Geldbuße geahndet.

In Deutschland stand in Bezug auf das Frischkleben Ende August die Verabschiedung einer "modifizierten" Regel" bevor. Nach den Plänen des Deutschen Tischtennis-Bundes (DTTB) sollen Kontrollen vor den Spielen bei Erwachsenen ebenso wie auf internationaler Ebene erst ab dem 1. September 2008, im Jugendbereich allerdings schon ab der laufenden Saison und damit gut vier Monate früher als bei ITTF-Veranstaltungen durchgeführt werden. Eine entsprechende Probeabstimmung auf der DTTB-Bundeshauptversammlung schon kurz nach der WM im vergangenen Juni hatte bei den stimmberechtigten Delegierten ein einstimmiges Votum für diese Vorgehensweise ergeben, so dass an der Bestätigung dieses Ergebnisses im schriftlichen Abfrage-Verfahren keine Zweifel bestanden. Gegenüber dem andro-Newsletter-Team erläuterte DTTB-Präsident Thomas Weikert die Positionen seines Verbandes.

 

Herr Weikert, der DTTB will Kontrollen des Frischklebe-Verbotes im Jugend-Bereich praktisch ab sofort und damit rund vier Monate eher als auf internationaler Ebene durchführen. Was ist der Grund für die Verschärfung des ITTF-Beschlusses?
Das entscheidende Argument für das Verbot ist der Schutz der Gesundheit. Deswegen waren wir ja auch dafür gewesen, dass dieses Verbot schon ab 1. September 2007 eingeführt und kontrolliert wird, ehe auf dem ITTF-Kongress 2006 bei der Mannschafts-WM in Bremen eine erneute und nunmehr wieder rückgängig gemachte Verschiebung beschlossen wurde. Jetzt wollen wir aber eindeutig dokumentieren, dass es sich um eine Maßnahme des Gesundheitsschutzes handelt und der DTTB seiner Verantwortung besonders gegenüber seinen jugendlichen Mitgliedern gerecht wird.

 

Welche Auswirkungen erwarten Sie?
Wir sind uns bewusst, dass es schwierig ist. Das gilt auch für die Kontrollen. Aber bei allen wichtigen Änderungen sind zuletzt zwar immer auch Probleme aufgetreten, doch danach ging alles doch relativ schnell seinen normalen, regelgerechten Gang. In Absprache mit unseren zuständigen Bundestrainern sollen unsere jugendlichen Kader-Mitglieder auch nicht mehr gesundheitsgefährdende Kleber benutzen.


In der Schweiz wird das Verbot ab sofort nicht nur bei Jugendlichen, sondern auch schon bei den Erwachsenen kontrolliert. Wie beurteilen Sie diese Vorgehensweise?
Unter Aspekten des Gesundheitsschutzes betrachtet ist das aus meiner Sicht nicht schlecht. Wir haben bei der Ausarbeitung unserer Regel aber auch versucht, unseren Top-Athleten im Spitzensport-Bereich die Chancengleichheit im internationalen Vergleich zu erhalten, und uns deswegen für frühere Kontrollen nur im Jugendbereich entschlossen.

 

Die Schweizer Regeln sehen bei Verstößen gegen das Verbot bislang nur Geldstrafen und nicht wie in Deutschland den Verlust eines Spieles vor. Wie stehen Sie dazu?
Ich hätte es begrüßt, wenn auch auf ITTF-Ebene Sperren als Sanktionen und nicht nur Spielverluste oder jetzt in der Schweiz Geldstrafen geben würde. Das wäre wirksamer, denn dadurch würde meiner Meinung nach verdeutlicht, dass man sich bei einem Verstoß gegen das Frischklebe-Verbot nicht nur selbst gefährdet, sondern sich gegenüber dem Gegner einen unerlaubten Vorteil verschaffen wollte.


In einem Jahr ist der Tag X auf allen Ebenen gekommen. Wie will der DTTB die Kontrollen handhaben?

Wir befinden uns noch im Planungsstadium. Es müssen noch mehrere Fragen geklärt werden. Dazu gehört auch die Frage, ob die Kontrollgeräte vom Heimverein gestellt oder von den Schiedsrichtern mitgebracht werden. Bis zum Frühjahr werden wir aber sicher Antworten geben können.


Frischklebe-Serie, Teil 9:

Anmerkung zum letzten andro Newsletter Korrigierend bzw. ergänzend zur letzten Ausgabe der Frischklebe-Beitragsreihe im andro Newsletter möchten wir diese Informationen nachtragen:
  • Die neue Schlägerkontrolle ab 1. Januar 2008 durch die ITTF betrifft die ITTF JUNIOR Events (nicht die Jugendspieler) und zwar für Spieler bis 18 Jahre (nicht 14 Jahre).

  • Für den Fall, dass ein ernsthafter gesundheitlicher Vorfall auftritt und durch eine von der ITTF autorisierten medizinischen Behörde bestätigt wird, startet der Schlägertest mit sofortiger Wirkung vom Tag der Bestätigung.